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KulTours-Zeitgeschichte: Die Dichterin Agnes Miegel (1879-1964) LWL:
Steffen Stadthaus - unwissenschaftlich gegen Agnes Miegel Februar
2012: Der Mitarbeiter der LWL-Literaturkommission markiert mit seinem
unwissenschaftlichen Beitrag „Agnes Miegel - fragwürdige Ehrung einer
nationalsozialistischen Dichterin im öffentlichen Raum“ einen neuen Tiefpunkt
der Umbenennungsdebatte in Münster.
Für einen Literaturwissenschaftler muß es so etwas wie die berufliche Höchststrafe sein, im Auftrag eines kommunalen Verbandes angebliche NS-Verwicklungen von Schriftstellern zu ermitteln, anstatt seinem eigentlichen Tätigkeitsfeld - der Beschäftigung mit Prosa oder Lyrik eines Dichters - nachgehen zu dürfen. Im Rahmen der Straßenumbenennungsdebatte der Stadt Münster wurde Dr. Steffen Stadthaus, Mitarbeiter der LWL-Literaturkommission, die Aufgabe übertragen, der bedeutendsten ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel schuldhaftes Verhalten in der NS-Zeit nachzuweisen. Diese Arbeit sollte die beiden Münsteraner Historiker Hans-Ulrich Thamer und Alfons Kenkmann unterstützen, deren Argumente für eine Umbenennung von Agnes-Miegel-Straßen sowohl von der Bevölkerung als auch durch die wichtigsten Miegel-Experten als völlig konstruiert entlarvt wurden. In seinem Referat, das er schließlich am 12. Juli 2012 in Münster vortrug, stellte Stadthaus die Dichterin denn auch in einem sehr negativen Licht dar. Das Referat ähnelte, nach Angaben von Teilnehmern, Aussagen in dem unwissenschaftlichen Laienlexikon "Wikipedia". Entlastende Quellen wurden - wie bei Wikipedia - nicht verwendet. Pikant an der ganzen Angelegenheit ist, daß wenige Tage vor dem Vortrag die weitere Auslieferung der bis heute besten Veröffentlichung zum Verhalten der Dichterin während der NS-Zeit "Agnes Miegel - Ihr Leben, Denken und Dichten von der Kaiserzeit bis zur NS-Zeit" (Herausgeberin: Frau Dr. phil. Marianne Kopp, nähere Informationen zum Buch) vom LWL-eigenen Ardey-Verlag gestoppt wurde. In Anbetracht der Tatsache, daß dieses Buch sämtliche Thesen Stadthaus‘ vollständig widerlegt, ist es aber wenig verwunderlich, daß sein Arbeitgeber LWL die Weiterverbreitung des Buches kurzerhand beendete. Zensur in Münster? Gegen den Ardey-Verlag und Verlagsleiter Ulrich Grabowsky ist inzwischen eine Klage der Herausgeberin Frau Dr. Kopp anhängig - wegen Vertragsbruch und Verleumdung. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: Die verschriftlichte Fassung des Referates von Steffen Stadthaus erschien im Februar 2012 im Rahmen des Sammelbandes "Fragwürdige Ehrungen!?" ebenfalls im Ardey-Verlag - ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Tatsächlich gelingt es Steffen Stadthaus in seinem Beitrag nicht, irgendeinen Grund zu nennen, der eine Umbenennung von Agnes-Miegel-Straßen rechtfertigen würde. Zu erdrückend sind jene Tatsachen, die eindeutig dagegen sprechen: Im gesamten Werk und in der Korrespondenz der Dichterin findet sich kein einziges Beispiel antisemitischer oder rassistischer Äußerungen. Auch die Herabsetzung politisch Andersdenkender findet sich an keiner Stelle. Damit fehlen alle Wesensmerkmale nationalsozialistischen Denkens. Wie nun aber argumentieren angesichts dieser erdrückenden Fakten? Stadthaus versucht es zunächst mit Banalem: Die Dichterin sei doch schließlich - zwar sehr spät (im Jahre 1940) aber doch - Mitglied der NSDAP geworden. Er vergißt dabei allerdings zu erwähnen, daß schon 1938 über 8,5 Millionen Deutsche, also weite Teile der Bevölkerung, Mitglied der Partei waren, darunter tausende Prominente und vielleicht auch unsere Eltern oder Großeltern. Waren die nun alle mitschuldig an den Massenmorden des NS-Regimes, obwohl diese unter strengster Geheimhaltung stattfanden? Will Stadthaus hier den unlängst zum Unwort des Jahres erklärten Begriff „Tätervolk“ aus der Mottenkiste hervorholen? Da
sind aber ja noch die beiden „Weihegedichte an den Führer“ - auch wenn sie
unter hunderten von Werken der Dichterin nur einen verschwindend geringen Anteil
haben. Bei diesem Thema vermeidet es Stadthaus geschickt zu erwähnen, daß es
sich um Auftragsarbeiten für das NS-Propagandaministerium gehandelt hat. Mit
den Gedichten wurde also der Wille des Auftraggebers erfüllt, dem man sich in
der NS-Diktatur nicht ohne größtes Risiko für Leib und Leben widersetzen
konnte. Über die Auffassung des Autors sagt eine solche Auftragsarbeit in der
Diktatur hingegen wenig aus. Auch
einem führenden NS-Funktionär wie Friedrich H. Blunck gegenüber konnte man
sich nicht als NS-Gegner oder -Skeptiker zu erkennen geben. Stadthaus „vergißt“
in solchen Passagen seiner Ausarbeitung schlicht, daß die NS-Diktatur keine
Meinungsfreiheit kannte. Einen
neuen Versuch startet Stadthaus mit der angeblichen „Kriegslyrik“ der
Dichterin. Erstaunlich ist, daß der Autor - obwohl er sich über mehrere Absätze
mit diesem Thema beschäftigt - nur ein einziges dieser Gedichte zitiert, und
das auch nur in Auszügen. Der Grund ist vermutlich, daß keines dieser Gedichte
als Beleg seiner Behauptungen von der „Poetin des Zweiten Weltkriegs“ dienen
kann. Die zitierten Auszüge
entstammen dem Gedicht „An die Jugend“. Es entstand im Zusammenhang mit der
Wiedervereinigung Ostpreußens mit dem Deutschen Reich als ein Ergebnis des
Polenfeldzugs der Wehrmacht 1939. Ostpreußen, die Heimat der Dichterin, war mit
dem Versailler Vertrag vom Deutschen Reich abgetrennt worden, und fast alle
Ostpreußen wünschten und begrüßten dann die Wiedervereinigung ihrer Heimat
mit dem Reich. Die Bedeutung dieser Zusammenhänge scheint Stadthaus in keiner
Weise bewußt zu sein. Die Eroberungskriege der NS-Führung im Osten - etwa
gegen die Sowjetunion - hat und hätte Agnes Miegel hingegen niemals gutgeheißen.
Selbst das Gedicht „An die Jugend“ endet mit der Sehnsucht nach dem Frieden
(diese Zeilen läßt Stadthaus klammheimlich unter den Tisch fallen): ..... dienend
der Erde, Dienend
dem neuen Tag, dem
blut- und feuergebornen, Dessen
Abend der Friede! Stadthaus‘
Behauptung einer „Kriegslyrik“ Agnes Miegels löst sich also in Wohlgefallen
auf, und selbst das von ihm einzig zitierte Gedicht dieser gar nicht
existierenden Kategorie endet mit tiefer Friedenssehnsucht. Viele weitere Fehler kennzeichnen die Arbeit des LWL-Mitarbeiters. So ist es schlicht falsch, daß sich „die Benennungen von Straßen nach der ostpreußischen Dichterin auf die späten 50er Jahre datieren lassen“. Viele Agnes-Miegel-Straßen wurden nachweislich erst sehr viel später so benannt. Falsch ist auch, daß „der künstlerische Rang ihrer Dichtungen heute vernachlässigbar“ sei. Der wohl bedeutendste deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki etwa zählt mehrere ihrer Balladen zu den wichtigen Werken deutscher Literatur. Nicht erwähnt wird, daß Agnes Miegel in der NS-Zeit Kontakt zur Familie eines der führenden Köpfe des Widerstandes gegen das NS-Regime, nämlich Carl Friedrich Goerdeler unterhielt. Unterschlagen wird auch die Tatsache, daß Agnes Miegel in vielen literarischen Arbeiten der NS-Zeit Vorahnungen vom Ende des Regimes, dem Untergang Deutschlands und der Flüchtlingsströme geschildert hat. Zahlreiche
weitere katastrophale Mängel und Auslassungen wichtiger Fakten ließen sich anführen. Unter den Autoren, auf die sich Stadthaus stützt, ist kein ausgewiesener Miegel-Experte zu finden. Den Auffassungen aller wichtigen Miegel-Kenner, wie die Literaturwissenschaftlerin Dr. Marianne Kopp aus Stadtbergen, Prof. Dr. Paul Leidinger aus Warendorf oder Dr. Bodo Heimann aus Kiel, widersprechen Stadthaus' Aussagen diametral. Stadthaus spiegelt mit seiner Arbeit in keiner Weise den aktuellen Forschungsstand wider. Fazit: Steffen Stadthaus hat mit seinem unwissenschaftlichen, von Fehlern durchsetzten und völlig einseitigen Beitrag über Agnes Miegel einen neuen Tiefpunkt der Umbenennungsdebatte markiert und sich als Wissenschaftler nachhaltig diskreditiert. Er ist unfähig, die Dichterin aus den Verhältnissen ihrer Zeit heraus zu betrachten - wie es etwa Dr. Bodo Heimann meisterhaft versteht. Das ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung für das Verständnis der bedeutenden Ostpreußin. Entlastendes verschweigt Stadthaus, und Menschen, die sich für das Werk der Dichterin einsetzen, werden lächerlich oder gar verächtlich gemacht. Für seine These von der „NS-Dichterin Agnes Miegel“ bleibt Stadthaus hingegen jeden Beweis schuldig. Auch diese Einzelthemen könnten Sie interessieren (bitte anklicken): Agnes Miegel - klare Distanzierung vom Nationalsozialismus nach dem 2. Weltkrieg Wie Antifa und Autonome gegen Agnes Miegel agitieren Agnes Miegel: Stellungnahmen Pro und Kontra Stellungnahme und Gutachten der Agnes-Miegel-Gesellschaft (Januar 2011) Agnes
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